Am 30. September 2019 hat unsere Trudie 10 Welpen auf die Welt gebracht und darunter auch den "kleinen Anker". Den Namen "kleiner Anker" trägt er bei uns, weil er auf dem Papier "Black Anchor" heißt. Diesen Namen trägt er, weil der Anker für Hoffnung steht und die haben wir, dass er eines Tages ein normales Leben führen kann. Zunächst wirkte der Rüde mit dem grünen Halsband wie ein ganz normaler Welpe, der mit 389g auch ein gutes Geburtsgewicht hatte. In der Nacht nach der Geburt stellte sich aber heraus, dass er kein gewöhnlicher Welpe ist. 

Der kleine Anker wackelte wild mit seinem Kopf an der Zitze herum und man hatte das Gefühl, dass er gar nichts rausbekommt. Ich habe öfters versucht ihn anzulegen und dachte zunächst, dass er einfach etwas länger braucht um zu verstehen, wie man aus den Zitzen trinkt. Als sein Trinkverhalten sich aber nicht verbesserte, habe ich einen Blick in sein Maul gewagt und darauf folgte ein großer Schock: Der kleine Anker hat eine Gaumenspalte. Bei uns brach direkt Panik und Trauer aus, denn überall hört man ja, dass diese Welpen keine Chance haben und direkt nach der Geburt eingeschläfert werden müssen. Einen Termin nur Nachsorge der Geburt hatten wir am nächsten Morgen eh und somit haben wir beschlossen, den kleinen Anker mitzunehmen und die Gaumenspalte unserer Tierärztin zu zeigen. In der Nacht haben wir kein Auge zugemacht und gegoogelt was das Zeug hält. Und siehe da es gibt doch einige Züchter, die Welpen mit einer Gaumenspalte eine Chance gegeben haben und die Welpen mit der Flasche großgezogen haben. Trotzdem war zu diesem Zeit natürlich ein riesiges Chaos in unseren Köpfen... Was ist wenn die Tierärztin sagt, dass es eine Qual ist? Was ist wenn wir die Arbeit nicht leisten können? 

Am nächsten Tag waren wir dann mit dem kleinen Anker bei unserer Tierärztin und sie war erstaunlicher Weise total entspannt und sagte, dass wir erstmal so weiter machen sollen und gucken, wie es sich entwickelt. Sie hat direkt Kontakt zu einem Spezialisten aufgenommen und mit keinem Wort erwähnt, dass man diesen Welpen einschläfern muss. Wir waren sehr erleichtert!! Bei der täglichen Gewichtskontrolle stellte sich in den nächsten beiden Tagen allerdings heraus, dass der kleine Anker im Gegensatz zu seinen Geschwistern nicht zu sondern abnahm. Somit haben wir nach 2 Tagen nochmal Kontakt zu unserer Tierärztin aufgenommen und gefragt, ob wir ihn mit einem Fläschchen zufüttern sollen, denn das hatten wir in den Berichten über die anderen Welpen mit Gaumenspalte gelesen und auch unsere Züchterfreundin Tanja hatte uns dazu geraten es zu versuchen. Unsere Tierärztin stimmte dem Plan zu und somit bekam der kleine Mann von da an alle 2 Stunden ein Fläschchen mit Ziegenmilch. Dies klappte zu unserer Freude sehr gut und er nahm langsam wieder zu. Ab und an kam etwas von der Ziegenmilch durch die Nase und er verschluckte sich, aber das ist normal bei Welpen, die eine Gaumenspalte haben, weil die Verbindung zwischen Maul und Nase nicht geschlossen ist. Für uns war diese Fläschchen-Zeit natürlich super anstrengend, weil wir ja auch nachts nicht wirklich schlafen konnten. Auch waren wir manchmal etwas verzweifelt und ratlos, weil an manchen Tagen das Trinken aus der Flasche nicht gut klappte und er sich ständig verschluckt hat oder kaum was aus der Flasche bekommen hat. Manche Tage waren super, an anderen machten wir uns große Sorgen und hinterfragten alles.. 

Ansonsten entwickelte er sich gut. Wir bekamen immer besser raus, wie er gut trinken konnte und er nahm stetig zu. Der kleine Anker nahm täglich ca. 30g zu. Das war deutlich weniger als seine Geschwister, aber die Hauptsache war, dass er zu und nicht abnahm. Auch in der körperlichen Entwicklung stand er seinen Geschwistern in nichts nach. Er war der erste Welpe, der anfing zu laufen und einer der ersten der seine Augen öffnete. Er fiel in der Masse einzig und alleine dadurch auf, dass er deutlich kleiner war als seine Geschwistern und das wurde natürlich auch von Woche zu Woche deutlicher. Mit 3 Wochen haben wir angefangen die Welpen mit Rindertatar zuzufüttern. Damit kam der kleine Anker nicht besonders gut klar. Manchmal hat er es geschafft 3 kleine Bällchen zu fressen und mal hat er gar keins geschafft, aber das war kein Problem, denn sein Fläschchen mit Ziegenmilch ging immer. Mit 4 Wochen haben wir dann mit eingeweichtem Trockenfutter angefangen und hatten natürlich ein wenig Sorge, dass er damit auch nicht gut klarkommt. Zunächst bestätigte sich diese Vermutung auch und der kleine Anker verschluckte sich ständig und war dann immer ziemlich verzweifelt. Wir haben uns so durchprobiert und haben dann gemerkt, dass es am Besten ist wenn das Futter nur ein ganz bisschen eingeweicht ist und schon klappte es mit dem Essen besser und auch das Gewicht stieg schneller an. Mit 4 Wochen kamen die ersten Welpenkäufer und es passierte etwas, mit dem wir nicht gerechnet haben und was uns wirklich für einen Moment den Atem geraubt hat: Eine Familie, die eh einen Welpen von uns bekommen sollten, verliebte sich in das kleine Sorgenkind und haben sich entschieden ihm ein wunderbares Zuhause zu geben! Wir waren wirklich sprachlos und es machte uns unglaublich glücklich Menschen mit so viel Herz gefunden zu haben, die den weiteren Weg mit ihm gehen werden! Mit 5 Wochen hatten wir nochmal einen Termin mit ihm beim Tierarzt und auch die Tierärztin war sehr zufrieden mit seiner Entwicklung und bat um Fotos und Berichte, die sie an den Spezialisten weiterleiten wollte. Dieser schaute sich die Fotos an und sagte, dass er ihn gerne mit 7 Wochen operieren möchte. Uns wurde etwas mulmig bei dem Gedanken, dass so ein kleiner Welpe operiert wird und in eine Klinik muss, aber wir wussten von Anfang an, dass er operiert werden muss und haben dem Spezialisten vertraut. In den 2 Wochen bis zu der OP hat der kleine Anker weiter gut gefressen und gut zugenommen. Er war fit und munter wie die anderen Welpen auch, hat gekämpft, war draußen und hatte sichtlich Freude am Leben! 

Und dann war der große Tag, der Tag von dem alles abhängt, der Tag an dem sich zeigte, ob sich die letzten Wochen gelohnt haben. In der Klinik angekommen, war der Tierarzt erstmal erstaunt und hatte sich die Gaumenspalte von den Fotos nicht so groß und "schlimm" vorgestellt, wie sie in echt war. Dennoch stand der OP nichts im Weg. Die Hoffnung, dass wir den kleinen Anker wieder mit nach Hause nehmen können, wurde aber leider ziemlich schnell vernichtet.. Nach der OP musste er nämlich eine ganze Zeit mit einer Sonde ernährt werden damit kein Futter in die frische Wunde kommt. Also sind wir wieder nach Hause gefahren und haben sehnsüchtig auf den Anruf aus der Klinik gewartet. Am Nachmittag dann der Anruf: Der kleine Anker hat es geschafft - er hat die OP überstanden!!! Wir waren mehr als erleichtert und als der Tierarzt dann noch sagte, dass er mit dem Ergebnis mehr als zufrieden ist, ging uns das Herz auf! Eine Woche blieb der kleine Anker in der Klinik. Jeden Tag wurden wir angerufen und bei jedem Anruf fiel uns ein Stein vom Herzen. Er entwickelte sich super und war das Highlight in der Klinik. 

Eine Woche nach der OP durften wir ihn abholen. Zuerst waren wir wirklich etwas geschockt.. Er hatte abgenommen und sah wirklich furchtbar dünn aus. Ansonsten war er aber super fit und zutraulich. Wir haben ihn noch 3 Tage weiter mit der Sonde ernährt und das hat wirklich klasse geklappt. Er war super ruhig dabei und auch ansonsten war er einfach nur lieb! Und dann kam er, der Tag an dem er wieder richtig fressen durfte. Er hat gefressen und wie! Wie ein Staubsauger. Einen Tag später wurde die Sonde entfernt und ab dem Zeitpunkt war er wieder ganz der Alte. 

Er frisst, nimmt super zu und ist ein richtig lustiger Kerl! Er spielt unglaublich gerne mit seinen Stofftieren und läuft uns hinterher wie ein kleiner Schatten. Auch mit seinen Geschwistern und seiner Mama speilt er ab und an, wenn wir dabei sind. Dabei müssen wir nicht auf ihn aufpassen, sondern auf seine Geschwister :D Er lässt sich nämlich nichts sagen und weiß glaube ich nicht, dass er 4kg weniger wiegt. Jetzt bleibt der kleine Anker, der jetzt Bones heißt, noch solange bei uns bis seine Wunde komplett verheilt ist und er seine 4,5kg erreicht hat und dann startet er in sein neues Leben bei einer weiteren Labradorhündin. 

 

Wir haben es geschafft! Bones hat es geschafft! Wir sind so unglaublich glücklich und stolz, dass wir es geschafft haben diesem kleinen Mann ein normales Hundeleben zu ermöglichen. Alle Zweifel und Sorgen sind vergessen, wenn wir ihn durchs Wohnzimmer rennen sehen, denn er ist jetzt ein ganz normaler Labradorwelpe, der sich auf ein hoffentlich langes Hundeleben freut! Wir möchten uns auch hier nochmal bei allen bedanken, die und die Daumen gedrückt haben und uns immer mit Rat und Tat zur Seite standen! Allen vorneweg Tanja Nordhues, die von Anfang an an den kleinen Mann und uns geglaubt hat und mit vollstem Einsatz hinter der Entscheidung, dem Joe-Baby eine Chance zu geben, stand. Und jetzt schaut ihn euch an, er ist einfach ein so süßer und lustiger Kerl, der sein Leben jede Minute genießt! Wir sind glücklich und sind uns sicher, dass Bones es auch ist! ♡